Aus Herrn Preißlers Kindheit

Herr Erhard Preißler wurde 1934 im Sudetenland geboren. Heute gehört dieser Teil des Landes zu Tschechien.
Er hat vier Geschwister. Für die gesamte Familie war es sehr traurig, als sie erfuhren, dass zwei Brüder aus dem Krieg nicht wiederkamen. Als er 1940 eingeschult wurde, gab es „nur“ einen Blumenstrauß und keine Zuckertüte. Die erste und zweite Klasse lernte gemeinsam in einem Raum. Geschrieben wurde auf Schiefertafeln und später dann mit Feder und Tinte.
Herrn Preißlers Lehrer hieß Adolf Hocke. Mit dem Rohrstock oder dem Lineal bekamen die Kinder ihre Strafe, wenn sie nicht aufpassten. Auch Ohrfeigen gab es. Nach dem Unterricht musste Herr Preißler zu Hause helfen, z.B. Feuerholz holen, Eier aus den Nestern der Hühner nehmen oder Garben aufstellen.
1945 musste die Familie Preißler aus dem Sudentenland auswandern. Sie durften nur so viel von zu Hause mitnehmen, wie sie tragen konnten.

Als sie in Colmnitz ankamen, mussten sie bei einem Bauern in der Scheune schlafen. Eigentlich durften sie nur höchstens drei Wochen bleiben. Bei Erler-Bauers durften sie arbeiten und bekamen dafür Lebensmittelkarten.
Nun war es auch möglich, eine Wohnung zu beziehen. Die 6. bis 8. Klasse besuchte Herr Preißler in Colmnitz.
Herr Preißler besaß ein Schaukelpferd, welches die Eltern selbst anfertigten. Das Spielzeug wurde dann von einem Kind zum anderen weitergereicht. Oft spielten sie auch im Wald oder fuhren im Winter mit ihren Skiern. Sein erster Ball hielt nur einen Tag, so erzählte er uns. Beim Spielen flog dieser auf einen Nagel im Zaun.
Nach Abschluss der Schulzeit begann Herr Preißler die Lehre zum Sattler und Tapezierer bei Bruno Jungnickel. Drei Jahre dauerte die Lehrzeit.